Kehlkopf-Rachen-Entzündung (Laryngopharyngitis, Entzündung von Kehlkopf und Rachen) – Symptome, Dauer und Behandlung
Die Laryngopharyngitis ist eine Entzündung von Kehlkopf und Rachen, die meist akut im Rahmen eines Infekts der oberen Atemwege auftritt. Typisch sind Halsschmerzen, Heiserkeit, Schluckbeschwerden, Husten oder ein raues, trockenes Gefühl im Hals. In vielen Fällen steckt ein viraler Infekt dahinter, seltener eine bakterielle Ursache oder eine Reizung durch Rauch, starke Stimmbelastung oder Reflux. Der Verlauf ist oft selbstlimitierend, also vorübergehend und ohne bleibende Schäden. Wichtig ist die Abgrenzung zu anderen Ursachen von Heiserkeit und Halsschmerzen, etwa einer isolierten Kehlkopfentzündung, einer Mandelentzündung oder einem laryngopharyngealen Reflux. Bei Atemnot, deutlichen Schluckproblemen, hohem Fieber oder rascher Verschlechterung sollte die Erkrankung zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
Dieser Beitrag dient der medizinischen Orientierung und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Eine(n) entsprechende(n) Arzt oder Ärztin finden Sie in unserer Arztsuche.
Definition: Was ist die Laryngopharyngitis?
Die Laryngopharyngitis ist eine gleichzeitige Entzündung des Kehlkopfs und des Rachens. Sie zählt zu den akuten Infektionen der oberen Atemwege. Betroffen sind vor allem die Schleimhäute des Rachens und des Kehlkopfs, also auch der Bereich der Stimmbänder. Deshalb berichten Betroffene oft über Beschwerden einer Rachenentzündung, etwa Halsschmerzen, mit Zeichen einer Kehlkopfentzündung wie Heiserkeit oder Stimmverlust.
In der Praxis wird die Bezeichnung häufig für akute Verläufe verwendet. Die akute Laryngopharyngitis entsteht meist im Rahmen einer Virusinfektion. Daneben kommen auch bakterielle Ursachen, mechanische Reizung der Stimme, Tabakrauch oder ein Rückfluss von Mageninhalt bis in den Rachen-Kehlkopf-Bereich infrage. Letzteres wird meist eher als laryngopharyngealer Reflux eingeordnet als als klassische akute Infektion.
Die Kehlkopf-Rachen-Entzündung sollte von ähnlichen Erkrankungen abgegrenzt werden. Dazu zählen die isolierte Laryngitis, also eine Kehlkopfentzündung ohne deutliche Rachenbeteiligung, die Pharyngitis als Rachenentzündung, die Tonsillitis oder Tonsillopharyngitis mit stärkerer Beteiligung der Mandeln sowie seltenere, aber wichtige Ursachen wie Epiglottitis, Peritonsillarabszess oder andere tiefe Halsinfektionen.
Gängige andere Namen der Kehlkopf-Rachen-Entzündung
- Laryngopharyngitis: fachlich korrekte Bezeichnung für den gut verständlichen deutschen Begriff Kehlkopf-Rachen-Entzündung
- Entzündung von Kehlkopf und Rachen: beschreibende Umschreibung ohne Fachbegriff.
- Akute Laryngopharyngitis: gebräuchliche Formulierung, wenn die Beschwerden plötzlich beginnen und typischerweise nur vorübergehend bestehen.
Hiermit wird die Kehlkopf-Rachen-Entzündung oftmals verwechselt
- Laryngitis: betrifft vor allem den Kehlkopf und führt typischerweise zu Heiserkeit, muss aber nicht mit deutlichen Halsschmerzen einhergehen.
- Pharyngitis: betrifft vor allem den Rachen und verursacht eher Schluckschmerzen und Halsbrennen als ausgeprägte Stimmprobleme.
- Tonsillitis oder Tonsillopharyngitis: hier stehen entzündete Mandeln, Beläge und führen zu stärkeren Schluckschmerzen.
- Laryngopharyngealer Reflux: dabei reizen aufsteigende Mageninhalte den Rachen-Kehlkopf-Bereich; Heiserkeit, Räusperzwang und Gefühl von einem "Kloß im Hals" können ähnlich wirken, ohne dass ein akuter Infekt vorliegt.
Symptome der Kehlkopf-Rachen-Entzündung
Die Beschwerden der Kehlkopf-Rachen-Entzündung können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Nicht alle Symptome müssen gleichzeitig auftreten. Häufig beginnt die Erkrankung mit Halsschmerzen, Kratzen im Hals oder Schmerzen beim Schlucken. Dazu kommen oft Heiserkeit, eine belegte oder raue Stimme und ein trockener Husten.
Typische Symptome sind:
- Halsschmerzen oder Brennen im Hals
- Schluckbeschwerden oder Schmerzen beim Schlucken
- Heiserkeit, Stimmveränderung oder vorübergehender Stimmverlust
- Trockenheitsgefühl oder Rauigkeit im Rachen
- Husten, häufig trocken
- Räusperzwang
- leichtes Fieber, Krankheitsgefühl oder Abgeschlagenheit
- geschwollene Halslymphknoten, je nach Ursache
Bei stärkerer Entzündung können die Beschwerden deutlicher ausfallen. Dann sind Essen, Trinken und Sprechen oft unangenehm. Bei Kindern, älteren Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen kann schon eine scheinbar leichte Entzündung belastender sein, etwa wenn Trinken schwerfällt.
Warnsignale für eine rasche ärztliche Abklärung sind Atemnot, pfeifende oder ziehende Atemgeräusche, stark zunehmende Schluckprobleme, Speichelfluss wegen Schluckunfähigkeit, hohes Fieber, deutliche einseitige Schwellungen im Hals, Blut im Auswurf, starke Schmerzen oder eine rasche Verschlechterung des Allgemeinzustands. Auch Heiserkeit, die länger anhält, sollte ärztlich beurteilt werden. Die sichere Diagnose kann nur medizinisches Fachpersonal stellen.
Ursachen und Risikofaktoren der Kehlkopf-Rachen-Entzündung
Die häufigste Ursache der Kehlkopf-Rachen-Entzündung ist ein viraler Infekt der oberen Atemwege. Dazu zählen typische Erkältungsviren, aber auch andere Atemwegsviren. Seltener steckt eine bakterielle Infektion dahinter. In bestimmten Situationen, etwa bei deutlicher Immunschwäche, sind auch andere Erreger möglich.
Neben Infektionen kommen nichtinfektiöse Auslöser infrage. Dazu zählen starke Stimmbelastung, trockene Luft, Zigarettenrauch, andere eingeatmete Reizstoffe, allergische Reaktionen oder ein Rückfluss von Mageninhalt in den oberen Atemweg. Suchanfragen wie laryngopharyngitis Reflux beziehen sich häufig auf Beschwerden, die durch einen laryngopharyngealen Reflux ausgelöst oder verstärkt werden. Das ist aber nicht automatisch dasselbe wie eine akute infektiöse Laryngopharyngitis.
Risikofaktoren sind unter anderem:
- Kontakt zu Personen mit Atemwegsinfekten
- Rauchen oder Passivrauchen
- häufige oder starke Stimmbelastung, zum Beispiel im Beruf
- trockene, staubige oder chemisch belastete Luft
- Refluxerkrankungen
- Allergien
- geschwächte Immunabwehr
Ist die Ursache infektiös, erfolgt die Übertragung meist über Tröpfchen und direkten Kontakt, je nach Erreger auch über kontaminierte Hände und Oberflächen. Besonders anfällig sind Kinder, Menschen mit engem Kontakt in Gemeinschaftseinrichtungen sowie Personen mit chronischen Atemwegs- oder HNO-Beschwerden.
Diagnose der Kehlkopf-Rachen-Entzündung
Am Anfang stehen die Anamnese und die körperliche Untersuchung. Dabei wird gefragt, seit wann die Beschwerden bestehen, ob Fieber, Husten, Heiserkeit, Schluckbeschwerden oder Kontakt zu Erkälteten vorliegen und ob Reizfaktoren wie Rauchen, Reflux oder starke Stimmbelastung eine Rolle spielen. Anschließend werden Mund, Rachen, Halslymphknoten und gegebenenfalls Atmung und Stimme untersucht.
Je nach Befund kann der Arzt oder die Ärztin weitere Untersuchungen veranlassen. Bei Verdacht auf eine bakterielle Beteiligung oder bestimmte Erreger kommen in ausgewählten Fällen Rachenabstrich, Schnelltest oder Laboruntersuchungen infrage. Solche Tests sind nicht in jedem Fall notwendig. Klinische Entscheidungshilfen wie Centor-, McIsaac- oder FeverPAIN-Kriterien können bei der Einschätzung, ob eine bakterielle Ursache für die Halsschmerzen vorliegt, helfen.
Bei anhaltender Heiserkeit, ungewöhnlichem Verlauf, ausgeprägten Beschwerden oder unklarer Diagnose ist eine laryngologische Untersuchung sinnvoll. Dabei kann der Kehlkopf direkt oder mit einem flexiblen Endoskop betrachtet werden. So lassen sich Schleimhautschwellungen, Rötungen und andere Veränderungen erkennen und ernstere Ursachen ausschließen. Bei Verdacht auf refluxbedingte Beschwerden sind je nach Fall HNO-ärztliche und gastroenterologische Abklärungen sinnvoll.
Beteiligte Fachrichtungen sind vor allem Hausarztpraxis, Kinder- und Jugendmedizin, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und bei Refluxverdacht gegebenenfalls die Gastroenterologie. Diagnostisch schwierig ist die Abgrenzung, wenn sich Infektzeichen, Stimmbelastung und Refluxbeschwerden überschneiden.
Behandlung der Kehlkopf-Rachen-Entzündung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache, der Stärke der Beschwerden und möglichen Begleiterkrankungen. In vielen Fällen steht die symptomatische Therapie im Vordergrund, weil die Erkrankung viral bedingt und von selbst wieder abklingt.
Übliche Maßnahmen sind:
- ausreichende Flüssigkeitszufuhr
- Schonung der Stimme
- schmerz- und fiebersenkende Medikamente, wenn medizinisch geeignet
- gegebenenfalls Lutschtabletten oder lokale Maßnahmen zur kurzfristigen Linderung
- Vermeidung von Rauch und anderen Schleimhautreizstoffen
Antibiotika sind nicht routinemäßig nötig. Sie kommen vor allem infrage, wenn eine bakterielle Ursache wahrscheinlich ist, bestimmte Risikokonstellationen vorliegen oder der klinische Befund dafür spricht. Welche Wirkstoffe geeignet sind, hängt vom vermuteten Erreger, dem Alter, Begleiterkrankungen, Allergien und der individuellen Situation ab.
Besteht der Verdacht auf eine refluxbedingte Mitursache, können Ernährungsanpassungen, das Meiden individuell auslösender Faktoren, Gewichtsreduktion bei Übergewicht, alginathaltige Präparate oder Antazida sinnvoll sein. Säurehemmende Medikamente wie Pantoprazol oder Omeprazol werden in solchen Fällen ärztlich gezielt eingesetzt, nicht pauschal bei jeder Heiserkeit.
Nichtmedikamentöse Maßnahmen sind oft wichtig. Dazu zählen Ruhe, Schonung, ausreichendes Trinken und eine möglichst reizfreie Umgebungsluft. Operative oder interventionelle Verfahren sind bei einer unkomplizierten akuten Laryngopharyngitis in der Regel nicht nötig. Sie spielen nur dann eine Rolle, wenn eine andere zugrunde liegende Erkrankung vorliegt oder Komplikationen entstehen.
Verlaufskontrollen sind vor allem bei anhaltenden Beschwerden, wiederkehrenden Episoden, starken Schluckbeschwerden, deutlicher Stimmstörung oder Verdacht auf Komplikationen wichtig. Alternative Heilmethoden wie Kräuterpräparate oder Hausmittel können subjektiv als angenehm empfunden werden, ersetzen aber keine ärztliche Diagnostik und Behandlung. Für viele dieser Verfahren ist die Evidenz (nachweisliche Wirkung) begrenzt.
Prognose bei der Kehlkopf-Rachen-Entzündung
Die Prognose der Kehlkopf-Rachen-Entzündung ist meist gut. Eine akute Laryngopharyngitis heilt häufig innerhalb von einigen Tagen bis etwa ein bis zwei Wochen ab. Halsschmerzen bessern sich oft schneller, während Heiserkeit oder Husten etwas länger anhalten können.
Wie schnell die Beschwerden abklingen, hängt unter anderem von der Ursache, dem Alter, dem allgemeinen Gesundheitszustand, einer möglichen Immunschwäche, dem Rauchstatus und Begleiterkrankungen wie Reflux ab. Wer die Stimme weiter stark belastet oder Schleimhautreizstoffe nicht meidet, kann einen längeren Verlauf haben.
Mögliche Komplikationen sind selten. Dazu zählen Austrocknung durch schmerzhaftes Schlucken, bakterielle Folgeinfektionen, ausgeprägte Schleimhautschwellung mit Atemnot oder die Verzögerung der Diagnose einer anderen Erkrankung. Halten Heiserkeit oder Halsbeschwerden länger an oder kehren sie häufig zurück, sollte die Ursache gezielt untersucht werden.
Häufige Fragen zur Laryngopharyngitis
Was ist eine akute Laryngopharyngitis?
Mit akute Laryngopharyngitis ist eine plötzlich beginnende Entzündung von Kehlkopf und Rachen gemeint. Meist entsteht sie im Rahmen eines viralen Atemwegsinfekts und verursacht Halsschmerzen, Heiserkeit und Schluckbeschwerden.
Wie lange dauert eine Kehlkopf-Rachen-Entzündung?
Oft bessern sich die Beschwerden innerhalb weniger Tage. Die Erkrankung ist häufig nach etwa ein bis zwei Wochen deutlich abgeklungen, wobei Heiserkeit oder Husten etwas länger anhalten können.
Ist eine Kehlkopf-Rachen-Entzündung ansteckend?
Wenn ein Infekt die Ursache ist, kann die Erkrankung ansteckend sein. Wie stark das Risiko ist, hängt vom jeweiligen Erreger ab. Gute Händehygiene und Abstand bei akuten Atemwegssymptomen senken das Übertragungsrisiko.
Braucht man bei der Kehlkopf-Rachen-Entzündung Antibiotika?
Nicht in jedem Fall. Viele Verläufe sind viral bedingt, dann helfen Antibiotika nicht. Ob sie sinnvoll sind, hängt vom klinischen Befund und dem Verdacht auf eine bakterielle Ursache ab.
Wann sollte man mit einer Kehlkopf-Rachen-Entzündung zum Arzt gehen?
Ärztliche Hilfe ist wichtig bei Atemnot, hohem Fieber, starken oder einseitigen Schluckschmerzen, deutlicher Verschlechterung, Blut im Auswurf, wiederkehrenden Episoden oder länger anhaltender Heiserkeit.
Was hilft bei einer Kehlkopf-Rachen-Entzündung?
Wichtig sind Schonung, ausreichendes Trinken, Rauchverzicht und bei Bedarf geeignete Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol. Auch das Schonen der Stimme ist meist sinnvoll. Die genaue Behandlung richtet sich nach der Ursache.
Was bedeutet der Suchbegriff „laryngopharyngitis reflux“?
Damit sind meist Beschwerden im Rachen-Kehlkopf-Bereich gemeint, die mit Reflux in Verbindung gebracht werden. Fachlich ist das eher dem laryngopharyngealen Reflux zuzuordnen als einer klassischen akuten infektiösen Laryngopharyngitis.
Kann die Laryngopharyngitis gefährlich werden?
Meist verläuft sie unkompliziert. Gefährlich kann sie werden, wenn Atemprobleme auftreten, schwere bakterielle Komplikationen entstehen oder eigentlich eine andere ernste Erkrankung hinter den Beschwerden steckt.
Quellen
Autor
Elisabeth Maußner ist studierte Journalistin und schreibt bei der ärzte.de MediService GmbH & Co. KG seit 2017 zu medizinischen Themen. Ihr Ziel: komplexe Zusammenhänge und wissenschaftliche Hintergründe einfach und für jeden verständlich auszudrücken. Die erfahrene Autorin hat bereits über 400 Artikel zu Gesundheits- und Medizinthemen verfasst, die u.a. auf aerzte.de, sanego.live und arzttermine.de veröffentlicht wurden.
Außerdem durfte sie Erfahrung beim Radio und beim Produzieren von Videos sammeln.
Persönlich interessiert sie sich insbesondere für Kinder- und Frauengesundheit, eine ausgewogene, intuitive Ernährung und die Digitalisierung im Gesundheitswesen.