Dekubitus (Druckgeschwür, Dekubitalulcus, Wundliegen) – Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung
Ein Dekubitus ist eine durch Druck verursachte, lokal begrenzte Schädigung von Haut und darunterliegendem Gewebe – typischerweise über knöchernen Vorsprüngen. Betroffen sind vor allem Menschen mit eingeschränkter Bewegung, verminderter Wahrnehmung (z. B. bei Querschnittlähmung) oder schweren Grunderkrankungen. Die Beschwerden reichen von einer anhaltenden Rötung bis zu tiefen Gewebedefekten, bei denen auch Muskel oder Knochen betroffen sein können. Entscheidend ist die frühzeitige Erkennung, weil frühe Stadien häufig besser beherrschbar sind als fortgeschrittene.
Dieser Beitrag dient der medizinischen Orientierung und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Eine(n) entsprechende(n) Arzt oder Ärztin finden Sie in unserer Arztsuche.
Definition: Was ist ein Dekubitus?
Ein Dekubitus (auch Druckgeschwür oder Druckulcus) ist eine Schädigung von Haut und Gewebe, die meist durch anhaltenden Druck, manchmal in Kombination mit Scherkräften (Verschiebung der Gewebeschichten gegeneinander) entsteht. Besonders gefährdet sind Körperstellen, an denen Knochen nah unter der Haut liegen (z. B. Steißbein/Gesäß, Fersen). Dekubitus entsteht oft durch längeres Liegen oder Sitzen, etwa bei einer Bewegungseinschränkung.
Andere Namen und medizinische Bezeichnungen von Dekubitus
- Druckgeschwür, Druckulcus
- Dekubitalulcus
- Wundliegen
- (engl.) pressure ulcer / pressure injury
Womit Dekubitus verwechselt werden kann
Nicht jede Rötung oder wunde Hautstelle ist ein Dekubitus. Häufige Verwechslungen sind:
- inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD): flächige, oft nässende Hautreizung durch Feuchtigkeit/Urinkontakt, eher in Hautfalten und Kontaktbereichen.
- Intertrigo: wunde, gerötete Haut in Hautfalten durch Reibung/Feuchtigkeit.
- Hautrisse (skin tears), Pflaster-/Klebeschäden, Schürfwunden: oberflächliche Verletzungen durch mechanische Einwirkung.
- Ulkus bei Durchblutungsstörungen (z. B. arterielle oder venöse Wunden) oder diabetisches Fußsyndrom: meist andere Lokalisation und Ursache.
Eine fachliche Abklärung ist besonders wichtig, wenn die Stelle schnell schlimmer wird, stark schmerzt, nässt, übel riecht, Fieber auftritt oder eine deutliche Allgemeinverschlechterung besteht.
Symptome von Dekubitus
Typische Zeichen können sein:
- Rötung, die nicht wegdrückbar ist (nicht blanchierbar)
- Schmerz, Brennen oder Druckgefühl (bei erhaltener Sensibilität)
- Überwärmung oder Abkühlung der Haut, Verhärtung, Schwellung
- Blasenbildung, Hautdefekt, Beläge (z. B. Fibrin), Nekrosen (abgestorbenes Gewebe)
- Nässen, übler Geruch, Zeichen einer Infektion
Nicht alle Beschwerden treten gleichzeitig auf. Bei dunklerer Hautpigmentierung kann eine Rötung schwerer zu erkennen sein. Dann sind Temperatur-, Konsistenz- und Schmerz-/Empfindungsänderungen besonders wichtig.
Dekubitus Grad/Kategorie 1 (intakte Haut)
- intakte Haut mit umschriebener, nicht wegdrückbarer Rötung
- oft frühes Warnzeichen, denn ohne Druckentlastung kann es fortschreiten
Fingertest (Drucktest) bei Dekubitus: Wird sanft mit dem Finger auf die gerötete Stelle gedrückt und die Rötung bleibt bestehen, spricht das für eine nicht blanchierbare Rötung (Hinweis auf Kategorie 1). Der Test ersetzt keine fachliche Beurteilung.
Dekubitus Grad/Kategorie 2
- Teilverlust der Haut (oberflächlicher Defekt) oder Blase
- Kann wie eine Abschürfung wirken, entsteht aber typischerweise an Druckstellen.
Dekubitus Grad/Kategorie 3
- vollständiger Hautverlust mit Schädigung tieferer Gewebeschichten
- Unterhautfettgewebe kann sichtbar sein, die Tiefe variiert je nach Körperstelle
Dekubitus Grad/Kategorie 4
- sehr tiefer Gewebedefekt: Strukturen wie Muskeln, Sehnen oder Knochen können betroffen sein
- hohes Risiko für Komplikationen (z. B. tiefe Infektionen, Knochenentzündung)
Sonderformen (je nach Einteilung)
- unklassifizierbar (unklassifizierbar/unstageable): Wundgrund durch Beläge/Nekrosen nicht beurteilbar
- tiefe Gewebeschädigung (deep tissue injury): livide/verfärbte Haut, Blutblasen möglich, kann rasch fortschreiten
Ursachen und Risikofaktoren von Dekubitus
Wie entsteht ein Dekubitus?
Ein Dekubitus entsteht, wenn Druck über Zeit die Durchblutung im Gewebe beeinträchtigt. Scherkräfte (z. B. „Rutschen“ im Bett oder Rollstuhl) verstärken die Belastung, weil Gewebeschichten gegeneinander verschoben werden. Zusätzlich können Feuchtigkeit (Mikroklima), Reibung und eine geschwächte Hautbarriere das Risiko erhöhen.
wichtige Risikofaktoren
Diagnose von Dekubitus
Die Diagnose erfolgt überwiegend klinisch durch:
- Anamnese (Mobilität, Schmerzen, Dauer der Belastung, Hilfsmittel)
- Inspektion und Tastbefund (Hautfarbe, Temperatur, Konsistenz, Wundtiefe)
- Einstufung nach Kategorie/Stadium (z. B. 1–4 plus Sonderformen)
- Risikoeinschätzung (z. B. mit strukturierten Skalen wie der Braden-Skala) als Ergänzung zur fachlichen Einschätzung
Bei Verdacht auf Komplikationen können weitere Untersuchungen erforderlich sein (z. B. Labor bei Infektzeichen, Bildgebung bei Verdacht auf Knochenbeteiligung).
Behandlung von Dekubitus
Die Behandlung richtet sich nach Kategorie/Grad, Lokalisation (z. B. Steißbein/Gesäß oder Ferse) und den Grunderkrankungen. Kernziele sind Druckentlastung, Wundheilung fördern und Komplikationen verhindern.
1) Druckentlastung und Lagerung bei Dekubitus
- konsequente Druckentlastung der betroffenen Stelle (z. B. Umlagern, Positionswechsel)
- druckverteilende Lagerung (z. B. 30°-Seitenlage, Freilagerung der Ferse), angepasst an Situation und Verträglichkeit
- Reduktion von Scherkräften (z. B. rutschhemmende Unterlagen, Transfers mit Hilfsmitteln)
2) Hilfsmittel: Dekubitus-Matratze, Sitzkissen, Fersenschoner
- Anti-Dekubitus-Matratzen und Wechseldrucksysteme können bei hohem Risiko oder bestehendem Dekubitus Teil des Behandlungskonzepts sein.
- Dekubitus-Kissen/Sitzkissen (z. B. für Rollstuhl) dienen der Druckverteilung im Sitzbereich. Wichtig ist die passende Auswahl und Einstellung.
- Fersenschoner/Fersenschuhe können die Ferse entlasten – entscheidend ist, dass die Ferse wirklich druckfrei liegt und das Material keine neuen Druckstellen erzeugt.
In Deutschland zählen solche Produkte häufig zu den Hilfsmitteln gegen Dekubitus. Ob und wie eine Kostenübernahme erfolgt, hängt von medizinischer Notwendigkeit, Verordnung und Vertragspartnern ab.
3) Wundbehandlung und Verbandstoffe
Der Begriff „Dekubitus-Pflaster“ wird umgangssprachlich für Wundauflagen/Verbände genutzt. Wichtig:
- Wundauflagen können Schutz, Feuchtigkeitsmanagement und Wundheilungsbedingungen verbessern.
- Prophylaktische Verbände (z. B. Silikon-Schaumverbände) können bei gefährdeten Stellen ergänzend eingesetzt werden.
- Ohne Druckentlastung kann ein Verband allein einen Dekubitus nicht beheben.
Welche Auflage geeignet ist (z. B. Schaumverband, Hydrofaser, Alginate, antimikrobielle Auflagen) hängt vom Wundstatus (Exsudat, Beläge, Infektionszeichen) ab und sollte fachlich entschieden werden.
4) Infektionsbehandlung, Schmerz, Ernährung
- Infektionen müssen erkannt und behandelt werden. Antibiotika sind in der Regel nur bei klinischen Infektzeichen/Komplikationen sinnvoll.
- Schmerztherapie ist wichtig, weil Schmerzen Lagerung und Wundversorgung erschweren können.
- Ernährungsstatus prüfen und ggf. verbessern (z. B. ausreichende Eiweiß- und Energiezufuhr), weil eine gestörte Heilung in eine Wundheilungsstörung übergehen oder diese begünstigen kann.
5) Operative/interventionelle Verfahren
Bei Kategorie 3–4 oder komplizierten Verläufen können Débridement (Entfernung von Belägen/Nekrosen) und in ausgewählten Fällen chirurgische Deckung (z. B. Lappenplastik) notwendig werden.
Dekubitus am Gesäß/Steißbein: wie behandeln?
Dekubitus im Bereich Gesäß/Steißbein ist häufig, weil dort beim Liegen und Sitzen hohe Druckspitzen entstehen. Zentral sind:
- Druckentlastung (angepasste Lagerung, Sitzzeiten begrenzen, Entlastungsmanöver)
- Scherkräfte reduzieren (nicht „runterrutschen“, Transfers mit Hilfe)
- geeignetes Sitzkissen und passende Sitzposition (z. B. im Rollstuhl)
- fachgerechte Wundversorgung und Beurteilung, ob Stuhl-/Harnkontakt die Haut zusätzlich reizt
Verlauf, Dauer und Prognose bei Dekubitus
Der Verlauf hängt stark von Kategorie/Grad, Durchblutung, Infektionen und Grunderkrankungen ab.
- Kategorie 1 kann sich bei konsequenter Druckentlastung innerhalb von Tagen zurückbilden.
- Kategorie 2 heilt häufig innerhalb von Wochen, wenn Druck und Feuchtigkeit kontrolliert werden.
- Kategorie 3–4 können über Monate bestehen. Komplikationen (z. B. tiefe Infektionen) sind häufiger.
Ein Dekubitus kann ein Hinweis auf eine schwere Allgemeinsituation sein. Bei Fieber, starken Schmerzen, rascher Ausbreitung, üblem Geruch, zunehmender Rötung/Überwärmung oder Verwirrtheit ist eine zeitnahe medizinische Abklärung notwendig.
Häufige Fragen zu Dekubitus
Was ist ein Dekubitus?
Ein Dekubitus ist ein Druckgeschwür: Durch länger anhaltenden Druck (oft zusammen mit Scherkräften) wird Gewebe geschädigt – meist über Knochenvorsprüngen wie Steißbein oder Ferse.
Was ist die Dekubitus-Definition?
Als Dekubitus wird eine lokal begrenzte Schädigung von Haut und/oder darunterliegendem Gewebe bezeichnet, die typischerweise infolge von Druck oder Druck in Verbindung mit Scherkräften entsteht.
Welche Dekubitus-Grade (Dekubitus-Stadien) gibt es?
Üblich sind Dekubitus Grad/Kategorie 1 bis 4. Zusätzlich werden je nach System Sonderformen wie unklassifizierbar und tiefe Gewebeschädigung beschrieben.
Wie erkenne ich einen Dekubitus Grad 1?
Typisch ist eine nicht wegdrückbare Rötung bei intakter Haut. Beim Fingertest bleibt die Rötung trotz sanftem Druck bestehen. Bei dunkler Haut können andere Zeichen (Temperatur, Verhärtung, Schmerz) wichtiger sein.
Wie sieht ein Dekubitus Grad 2 aus?
Häufig zeigt sich ein oberflächlicher Hautdefekt oder eine Blase an einer typischen Druckstelle. Er kann wie eine Abschürfung wirken, hat aber meist eine Druckursache.
Wie sieht ein Dekubitus Grad 4 aus?
Bei Grad/Kategorie 4 liegt ein tiefer Gewebedefekt vor; Muskel, Sehnen oder Knochen können beteiligt sein. Das ist ein schweres Krankheitsbild und sollte immer zeitnah ärztlich/wundfachlich behandelt werden.
Was bedeutet „Dekubitus Grad 4 – Lebenserwartung“?
Die Lebenserwartung lässt sich aus dem Grad nicht pauschal ableiten. Ein Dekubitus Grad 4 ist jedoch ein Zeichen für eine schwere lokale Schädigung und häufig auch für eine starke Grunderkrankung bzw. Pflegebedürftigkeit. Prognose und Risiken hängen von Allgemeinzustand, Infektionen und Begleiterkrankungen ab.
Welche Salbe bei Dekubitus?
„Salbe“ ist selten die alleinige Lösung. Entscheidend sind Druckentlastung, Hautschutz (z. B. bei Feuchtigkeit/IAD) und eine passende Wundauflage. Welche Produkte sinnvoll sind, hängt vom Stadium und der Wundsituation ab und sollte fachlich entschieden werden.
Welche Dekubitus-Matratze oder welches Sitzkissen bei Dekubitus?
Das hängt von Risiko, Körpergewicht, Mobilität, Sitz-/Liegezeiten und der betroffenen Stelle ab. Anti-Dekubitus-Matratzen und Sitzkissen können die Druckbelastung reduzieren, müssen aber passend ausgewählt, eingestellt und mit Lagerungsmaßnahmen kombiniert werden.
Wie lautet die Mehrzahl von Dekubitus?
Im Deutschen ist als Plural häufig „die Dekubitus“ gebräuchlich, daneben finden sich auch Formen wie „Dekubiti“.
Quellen
Autor
Elisabeth Maußner ist studierte Journalistin und schreibt bei der ärzte.de MediService GmbH & Co. KG seit 2017 zu medizinischen Themen. Ihr Ziel: komplexe Zusammenhänge und wissenschaftliche Hintergründe einfach und für jeden verständlich auszudrücken. Die erfahrene Autorin hat bereits über 400 Artikel zu Gesundheits- und Medizinthemen verfasst, die u.a. auf aerzte.de, sanego.live und arzttermine.de veröffentlicht wurden.
Außerdem durfte sie Erfahrung beim Radio und beim Produzieren von Videos sammeln.
Persönlich interessiert sie sich insbesondere für Kinder- und Frauengesundheit, eine ausgewogene, intuitive Ernährung und die Digitalisierung im Gesundheitswesen.