Adenomyose (Adenomyosis uteri, Uterusadenomyose; früher teils „Endometriosis interna“) – Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung
Die Adenomyose ist eine gutartige Erkrankung der Gebärmutter (Uterus), bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, in die Gebärmuttermuskulatur einwächst. Das kann die Gebärmutter vergrößern und zu schmerzhaften, sehr starken oder länger anhaltenden Regelblutungen führen. Manche Betroffene haben nur wenige Beschwerden oder gar keine Symptome. Häufig stehen Regelschmerzen, ein Druck- oder Völlegefühl im Unterbauch und Schmerzen beim Sex im Vordergrund. Adenomyose kann außerdem die Lebensqualität und – je nach Ausprägung – den Kinderwunsch beeinträchtigen. Die Diagnose erfolgt meist mit gynäkologischer Untersuchung und Bildgebung (vor allem vaginaler Ultraschall, ggf. MRT). Die endgültige Einordnung und Therapieplanung gehören in ärztliche Hand.
Dieser Beitrag dient der medizinischen Orientierung und ersetzt keine ärztliche Diagnose. Eine(n) entsprechende(n) Arzt oder Ärztin finden Sie in unserer Arztsuche.
Definition: Was ist eine Adenomyose?
Eine Adenomyose ist eine gutartige Veränderung der Gebärmutter, bei der endometriumähnliches Gewebe (Gewebe ähnlich der Gebärmutterschleimhaut) in die Muskelschicht der Gebärmutter (Myometrium) einwächst. Dadurch kann die Gebärmutterwand verdicken und die Gebärmutter insgesamt größer werden. Die Erkrankung ist hormonabhängig: Beschwerden treten typischerweise im reproduktiven Alter auf und werden nach den Wechseljahren häufig schwächer.
Andere Namen und medizinische Bezeichnungen der Adenomyose
- Adenomyosis uteri (lateinisch/medizinisch)
- Uterusadenomyose
- Endometriosis interna (heute weniger gebräuchlich, da die Adenomyose und die Endometriose als unterschiedliche Erkrankungen eingeordnet werden)
Womit die Adenomyose verwechselt werden kann
Beschwerden wie starke Regelblutungen und Unterbauchschmerzen sind nicht spezifisch. Häufige Differentialdiagnosen (Abgrenzungsdiagnosen) sind:
- Endometriose: endometriumähnliches Gewebe wächst außerhalb der Gebärmutter (z. B. Eierstöcke, Bauchfell).
- Gebärmuttermyome: gutartige Muskelknoten der Gebärmutter, die ebenfalls Blutungen, Druckgefühl und Schmerzen verursachen können.
- funktionelle Blutungsstörungen (z. B. hormonell bedingt) und andere Ursachen abnormer uteriner Blutungen.
- entzündliche Ursachen (z. B. chronische Entzündung der Gebärmutterschleimhaut) – je nach Befund.
Symptome der Adenomyose
Typische Beschwerden betreffen vor allem Blutung und Schmerz. Nicht alle Symptome müssen gleichzeitig auftreten.
- schmerzhafte Regelblutung (Dysmenorrhö): teils starke krampfartige Schmerzen.
- starke oder verlängerte Regelblutung (ggf. mit Blutgerinnseln) und/oder unregelmäßige Blutungen.
- chronische Unterbauch-/Beckenschmerzen (auch außerhalb der Menstruation möglich).
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie).
- Druck-, Schwere- oder Völlegefühl im Unterbauch, teils Blähbauch.
- mögliche Folgen starker Blutungen: Anämie (Blutarmut) mit Müdigkeit, Leistungsknick, Blässe oder Schwindel.
Warnzeichen: Wann ärztliche Hilfe rasch nötig ist
- sehr starke Blutungen (z. B. Kreislaufprobleme, „Durchbluten“), Blutungen zwischen den Perioden oder nach dem Geschlechtsverkehr
- starke oder neu deutlich zunehmende Unterbauch-/Regelschmerzen, die auf übliche Schmerzmittel nicht ansprechen
- Beschwerden, die auf eine Anämie hindeuten (z. B. ausgeprägte Müdigkeit, Atemnot bei Belastung, Herzklopfen)
Adenomyose und Gewichtszunahme
Eine direkte krankheitsbedingte Gewichtszunahme ist nicht typisch. Manche Betroffene berichten jedoch über einen „aufgeblähten Bauch“ oder ein stärkeres Völlegefühl, was durch eine vergrößerte Gebärmutter, Wassereinlagerungen oder zyklusabhängige Beschwerden mitbedingt sein kann. Zusätzlich können Behandlungsformen, insbesondere hormonelle Therapien, bei manchen Personen mit Gewichtsschwankungen einhergehen.
Adenomyose und Psyche
Chronische Schmerzen, anhaltende Blutungsprobleme, Erschöpfung durch Eisenmangel sowie Sorgen rund um Fruchtbarkeit und Alltag können die seelische Gesundheit belasten. Studien wie Li N et al.. zeigen, dass bei der Adenomyose Angst- und Depressionssymptome häufiger auftreten können als bei bestimmten Vergleichsgruppen (z. B. bei Gebärmuttermyomen). Das bedeutet nicht, dass Adenomyose „psychisch verursacht“ ist – vielmehr können körperliche Beschwerden und Lebensbelastung die Psyche mit beeinträchtigen.
Adenomyose und Kinderwunsch
Die Adenomyose kann mit Erschwernissen beim Schwangerwerden und – je nach Situation – mit erhöhten Risiken in der Schwangerschaft (z. B. Fehlgeburt/Frühgeburt) in Verbindung gebracht werden. Wie stark die Adenomyose den Kinderwunsch beeinflusst, hängt unter anderem von Ausdehnung, Lokalisation, Begleiterkrankungen (z. B. Endometriose) und Alter ab. Eine individuelle Abklärung in einer gynäkologischen Sprechstunde (ggf. mit Schwerpunkt Endometriose/Kinderwunsch) ist hier sinnvoll.
Ursachen und Risikofaktoren der Adenomyose
Die genauen Entstehungsmechanismen sind nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden hormonelle Einflüsse (insbesondere Östrogen), Entzündungsprozesse, genetische Faktoren und Veränderungen/„Traumata“ der Gebärmutterwand.
Zu den in Studien häufig beschriebenen Risikofaktoren/Assoziationen zählen:
- Alter (häufiger Diagnosen im Bereich 30–50 Jahre, oft perimenopausal)
- mindestens eine Schwangerschaft/Geburt
- vorausgegangene Eingriffe an der Gebärmutter (z. B. Ausschabung)
- gleichzeitige oder vorausgegangene Endometriose
Diagnose der Adenomyose
Die Diagnose wird in der Regel aus Beschwerden, Untersuchungsbefund und Bildgebung abgeleitet.
- Anamnese: Blutungsmuster, Schmerzen (Zeitpunkt im Zyklus), Kinderwunsch, Begleitsymptome (z. B. Zeichen von Anämie).
- gynäkologische Untersuchung: Die Gebärmutter kann vergrößert, druckschmerzhaft oder „weich“ wirken.
- vaginaler Ultraschall (transvaginale Sonografie): wichtigste Routine-Bildgebung.
- MRT (Magnetresonanztomographie): kann hilfreich sein, wenn Ultraschallbefunde unklar sind oder zur genaueren Ausdehnungsbeurteilung.
- Histologie (Gewebeuntersuchung): eine „endgültige“ Sicherung ist klassisch über die feingewebliche Untersuchung möglich, erfolgt aber in der Praxis meist nur, wenn ohnehin operiert wird.
Adenomyose im Ultraschall: typische Zeichen
Fachleute nutzen in der Ultraschalldiagnostik definierte Merkmale (u. a. nach dem MUSA-Konsens). Typische Hinweise können sein:
- „globuläre“ (rundlich vergrößerte) Gebärmutter
- asymmetrische Verdickung der Gebärmutterwand
- Zysten im Myometrium (kleine flüssigkeitsgefüllte Hohlräume)
- fächerförmige Schattierung (fan-shaped shadowing)
- hyperechogene Inseln (helle Areale) und Unregelmäßigkeiten der Übergangszone (Junctional Zone)
Wichtig: Kein einzelnes Zeichen beweist Adenomyose sicher. Die Bewertung erfolgt als Gesamtschau und muss von anderen Ursachen (z. B. Gebärmuttermyomen) abgegrenzt werden.
Behandlung der Adenomyose
Die Behandlung richtet sich nach Beschwerden, Blutungsstärke, Alter, Begleiterkrankungen und Kinderwunsch. Ziel ist meist die Symptomkontrolle (Schmerz und Blutung) und – falls relevant – die Unterstützung der Fruchtbarkeit.
Medikamentöse und konservative Behandlung
- Schmerzmittel: häufig NSAR (nicht-steroidale Antirheumatika) wie Ibuprofen oder Naproxen gegen Regelschmerzen.
- nicht-hormonelle Blutungsreduktion: Tranexamsäure kann die Blutungsstärke vermindern.
- hormonelle Therapien (menstruationsunterdrückend bzw. -regulierend):
- Hormonspirale/IUS mit Levonorgestrel (z. B. Mirena) – kann Blutung und Schmerzen reduzieren.
- kombinierte Pille oder Gestagenpräparate (je nach individueller Situation; teils Off-Label).
- GnRH-Analoga (führen vorübergehend zu einem „künstlichen Wechseljahreszustand“) kommen in ausgewählten Situationen in Betracht, meist zeitlich begrenzt.
Operative und interventionelle Verfahren
- Hysterektomie (Entfernung der Gebärmutter): gilt als wirksamste definitive Behandlung, ist aber nur eine Option, wenn kein Kinderwunsch (mehr) besteht.
- Endometriumablation (Entfernung/Verödung der Gebärmutterschleimhaut): kann Blutungen reduzieren, ist jedoch nicht für jede Form der Adenomyose geeignet und nicht mit Kinderwunsch vereinbar.
- uteruserhaltende Verfahren: z. B. Adenomyom-Entfernung (Adenomyomektomie), Hochfokussierter Ultraschall (HIFU) oder Uterusarterien-Embolisation (UAE). Die Datenlage zu Wirksamkeit, Wiederkehr von Beschwerden und Auswirkungen auf Schwangerschaften ist je nach Verfahren unterschiedlich; eine Beratung in spezialisierten Zentren ist hier wichtig.
Verlauf, Dauer und Prognose bei der Adenomyose
Der Verlauf ist unterschiedlich. Bei manchen Betroffenen nehmen Schmerzen und Blutungsstärke im Laufe der Zeit zu. Andere haben stabile oder geringe Beschwerden. Häufig bessern sich Symptome nach den Wechseljahren, weil die hormonelle Stimulation abnimmt – eine vergrößerte Gebärmutter kann aber teilweise bestehen bleiben.
Mögliche Komplikationen sind vor allem:
- Anämie durch starke Blutungen
- anhaltende Schmerzen mit Einschränkung von Alltag, Sexualität und Lebensqualität
- mögliche Beeinträchtigung von Fruchtbarkeit und Schwangerschaftsverlauf
Häufige Fragen zur Adenomyose
Was ist eine Adenomyose?
Eine Adenomyose ist eine gutartige Erkrankung der Gebärmutter, bei der endometriumähnliches Gewebe in die Gebärmuttermuskulatur einwächst und so Blutungsstörungen und Schmerzen verursachen kann.
Welche Adenomyose-Symptome sind typisch?
Häufig sind starke und schmerzhafte Regelblutungen, Unterbauch-/Beckenschmerzen, Druckgefühl/Blähbauch und Schmerzen beim Sex. Manche Betroffene haben keine Symptome.
Wie erkennt man eine Adenomyose im Ultraschall?
Im vaginalen Ultraschall können typische Zeichen wie eine rundlich vergrößerte Gebärmutter, asymmetrische Wandverdickung, kleine Zysten im Muskelgewebe oder Auffälligkeiten der Übergangszone Hinweise geben. Die Beurteilung erfolgt immer im Gesamtbild.
Welche Adenomyose-Behandlung gibt es?
Üblich sind Schmerzmittel (z. B. NSAR), Medikamente zur Blutungsreduktion (z. B. Tranexamsäure) und hormonelle Therapien (z. B. Levonorgestrel-IUS wie Mirena). Operative Verfahren reichen von uteruserhaltenden Optionen bis zur Hysterektomie, je nach Beschwerdebild und Kinderwunsch.
Kann die Adenomyose Gewichtszunahme verursachen?
Eine direkte Gewichtszunahme ist nicht typisch. Häufiger sind ein vergrößerter Bauchumfang, Blähgefühl oder Gewichtsschwankungen, die indirekt mit Beschwerden oder Therapien zusammenhängen können.
Hat die Adenomyose Einfluss auf die Psyche?
Chronische Schmerzen, Blutungsprobleme und Kinderwunschbelastungen können psychisch stark beanspruchen. Studien wie Li N et al. berichten über häufiger auftretende Angst- und Depressionssymptome bei Betroffenen; eine psychische Ursache der Erkrankung ist daraus nicht abzuleiten.
Kann man mit einer Adenomyose schwanger werden?
Ja, eine Schwangerschaft ist möglich. Adenomyose kann die Fruchtbarkeit jedoch beeinträchtigen und je nach Situation mit erhöhten Schwangerschaftsrisiken verbunden sein. Eine individuelle Beratung ist wichtig.
Was ist der Unterschied zwischen der Adenomyose und der Endometriose?
Bei Adenomyose wächst endometriumähnliches Gewebe in die Muskelschicht der Gebärmutter. Bei Endometriose befindet sich ähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter (z. B. Eierstöcke, Bauchfell).
Wird die Adenomyose nach den Wechseljahren besser?
Oft ja: Da die Erkrankung hormonabhängig ist, lassen Beschwerden nach der Menopause häufig nach oder verschwinden.
Quellen
Autor
Elisabeth Maußner ist studierte Journalistin und schreibt bei der ärzte.de MediService GmbH & Co. KG seit 2017 zu medizinischen Themen. Ihr Ziel: komplexe Zusammenhänge und wissenschaftliche Hintergründe einfach und für jeden verständlich auszudrücken. Die erfahrene Autorin hat bereits über 400 Artikel zu Gesundheits- und Medizinthemen verfasst, die u.a. auf aerzte.de, sanego.live und arzttermine.de veröffentlicht wurden.
Außerdem durfte sie Erfahrung beim Radio und beim Produzieren von Videos sammeln.
Persönlich interessiert sie sich insbesondere für Kinder- und Frauengesundheit, eine ausgewogene, intuitive Ernährung und die Digitalisierung im Gesundheitswesen.